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Die Mitte liegt in dir
Es träumte ein Kind, es solle sich auf den Weg machen und die Mitte der Welt
suchen. Da sagt es Vater und Mutter Lebewohl und zog in die Ferne.
Nachdem es eine Weile gegangen war und in eine fremde Landschaft kam, fragte es
einen Bauern nach dem Weg zur Mitte der Welt.
„Da musst du immer geradeaus
gehen!" sagte dieser.
Also ging das Kind einen geraden
Weg und ließ sich durch nichts beirren.
„Da musst du über das große Wasser hinweg!" sagte ihm ein Fischer, als es
schließlich ans Meer kam. Das Kind dachte, dass es eher an den Rand der Welt als
in deren Mitte gekommen sei, und zweifelte an seinem Weg. Es gab aber nicht auf,
sondern suchte ein Schiff, mit dem es übersetzen konnte.
„Da musst du durch die Wüste
hindurch!" sagte auf der anderen Seite des Meeres ein weiser Mann. Aber die
Wüste war tief und heiß.
Das Kind ging einige Tagesreisen weit, dann traf es eine Karawane.
„Wo geht es weiter zur Mitte der Welt?" fragte das Kind.
„Es gibt keine Mitte", sagten die Kameltreiber, "wo immer du bist, bist du
draußen."
Das Kind ließ sich nicht beirren
und ging weiter in die Wüste hinein. Schließlich begegnete es einem Einsiedler.
„Wo geht es weiter zur Mitte der Welt?" fragte das Kind.
„Die Mitte der Welt ist
nicht hier und nicht da, sie ist überall."
„Die Mitte kann nicht überall sein", antwortete das Kind und zog seines Weges
weiter.
Nun begegnete es keinem Menschen
mehr. Endlos weit dehnte sich der Sand, der Himmel flimmerte darüber,
unbarmherzig brannte die Sonne, nirgendwo war ein Richtpunkt als nur das Kind
selbst inmitten der Stille.
Da hielt es inne und spürte tief in seinem Herzen:
Wer zur Mitte kommt, findet die Stille. Wer die Stille findet, der spürt:
Gott ist bei mir. Gott ist die Tür zum Leben!
é
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